Wer wir sind
Wir sind etwa 60 Menschen und umfassen mehrere Generationen – von wenigen Monaten bis grauhaarig. Viele von uns sind gesellschafts-, gewerkschafts- und parteipolitisch engagiert. Wir arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen: Sozialarbeiter*innen und (Schwimm-)Lehrer*innen finden sich auf den Etagen ebenso wie ITler*innen, Rechtsanwält*innen, Steuerfachangestellte oder Künstler*innen. Einige von uns studieren, andere machen eine Ausbildung, sind vor kurzem erst nach Deutschland migriert, in Elternzeit oder krank.
Der Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Form des Zusammenlebens, in der wir mehr als bloß Mietparteien im stillen Nebeneinander sein wollen, hat uns zusammengeführt. In der Magdalenenstraße 19 verwirklichen wir, was in einzelnen und verstreuten Mietwohnungen nur schwer möglich ist: Unseren Wohnraum mit Gemeinschaftsflächen im Erdgeschoss und Hof, die auch öffentlich genutzt werden können, gemeinsam zu gestalten und uns gegenseitig bei großen und kleinen Problemen im Alltag zu unterstützen.
Mit dem über Direktkredite und das Mietshäusersyndikats-Modell finanzierten Kauf der Magdalenenstraße 19 sind wir auch den explosiv steigenden Mieten und der damit verbundenen Ausgrenzung vieler Menschen in Berlin entgegengetreten. Indem wir als Gemeinschaft dem Immobilienmarkt ein Haus entziehen, stellen wir sicher, ein konstantes Mietniveau halten zu können und somit vielen Menschen auch in ferner Zukunft bezahlbare Mieten und öffentlichen Raum zu ermöglichen.
Das Haus : Magdalenenstraße 19
Das Haus befindet sich in der Magdalenenstraße 19 im Stadtteil Berlin-Lichtenberg und ist Teil des ehemals dort angesiedelten Verwaltungskomplexes des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Der Plattenbau wurde ab 1974 als WBS 70 errichtet und vom MfS genutzt; nach 1990 diente er unter anderem als Verwaltungsgebäude, später stand er leer. Links neben uns befindet sich ein Wohnheim für Minderjährige; direkt gegenüber der Frauenknast. Öffentliche Räume
Öffentliche Räume
In unseren Räumen im Erdgeschoss können politisch-soziale Projekte von unseren Freundinnen und Nachbarinnen umgesetzt werden: Von kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen, politischen Veranstaltungen – z.B. zu Nazis im Stadtteil –, zu sozialen Treffen wie Lern-, Musik- und Sportgruppen… Für konkrete Ideen und Vorschläge sind wir offen und freuen uns, wenn ihr uns schreibt.
Rechtliches - die GmbH und das Mietshäuser Syndikat
Für die finanzielle Realisierung haben wir zunächst eine GmbH gegründet. In ihr existieren zwei Gesellschafterinnen: Wir, die Mieter:innen in Form eines Hausvereins, und das Mietshäuser Syndikat (MHS). Das MHS besteht seit über 20 Jahren. In ihm sind bundesweit mehr als 200 Häuser zusammengeschlossen, in Berlin gibt es ca. 20 erfolgreiche Hausprojekte. Wir bringen uns im Regionalverband Berlin-Brandenburg ein. Das Ziel des Verbunds ist es, Wohnraum zu erhalten, den idealerweise alle Menschen bezahlen können. Er unterstützt ehrenamtlich Hausprojekte wie die Magdalenenstraße bei der Erstellung von Finanzierungsplänen, aber auch mit bautechnischer Beratung.
Durch unsere Organisationsform ist rechtlich ausgeschlossen, dass selbst ein mit Mehrheit der Bewohnerinnen beschlossener Weiterverkauf des Hauses zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. Das ist uns sehr wichtig, da nur damit dauerhaft garantiert ist, dass das Haus langfristig dem Wohnungsmarkt entzogen bleibt und dadurch stets im Besitz derer ist, die darin wohnen. Doch auch dieser Besitz gleicht nicht den klassischen Vorstellungen von Privateigentum: Das Haus gehört einer GmbH. Entscheidungen darüber, was rund ums und im Haus geschieht, trifft der Hausverein, in dem alle Bewohner*innen Mitglied sind. Wir sind also unsere eigene Hausverwaltung – und wir überlegen gemeinsam, was wir wie und mit wem umsetzen möchten. Weitere Informationen über das Mietshäuser Syndikat findest du unter www.syndikat.org.


